Vorwort Jahresbericht 2016

2016 war für unser Unternehmen ein ebenso ereignis- wie erfolgreiches Jahr. Im Januar übernahm Larissa M. Bieler die Chefredaktion und setzte von Beginn weg neue editoriale Akzente. Im Juni genehmigte der Bundesrat den vom BAKOM und der SRG SSR sorgfältig ausgehandelten neuen Auslandauftrag 2017-2020. Und im August investierten wir beträchtliche Ressourcen in die Begleitung des Jubiläumskongresses ‘100 Jahre Auslandschweizer-Organisation’ (#WeAreSwissAbroad).
Während des ganzen Jahres berichteten wir über die direkte Demokratie (#DearDemocracy), intensivierten die Nutzung sozialer Medien, das Community Building und den Datenjournalismus. Dank dieser Prioritäten konnte SWI swissinfo.ch die Reichweite 2016 deutlich steigern und ihr Image in der nationalen wie internationalen Medienlandschaft verbessern.
Nichtsdestotrotz: Für den globalen Journalismus war 2016 kein Ruhmesblatt. Die Qualität der Medien befindet sich – von Ausnahmen abgesehen – im Sinkflug. Redaktionen werden ausgedünnt und abgebaut. Für Recherchen oder Qualitätsmanagement steht immer weniger Geld zur Verfügung. Private Nachrichtenportale halten sich nicht mehr konsequent an ethische Richtlinien. Eine einseitige Schlagzeile oder eine süffige Story ist vielen wichtiger als Sachgerechtigkeit und Ausgewogenheit.
Die Abstimmung über Brexit sowie der amerikanische Wahlkampf haben 2016 dem Phänomen der ‘Fake News’ zu unrühmlicher Aufmerksamkeit verholfen. Die Entwicklung ist nicht auf die USA oder auf Grossbritannien beschränkt. Falsche Behauptungen werden auch hierzulande in den Medien regelmässig kolportiert. In Abstimmungskampagnen ist die Wirkung besonders fatal. Eine demokratische Öffentlichkeit, die falsch informiert wird, kann keine unabhängigen Mehrheitsentscheidungen treffen.
Der Volkswille scheint dank der Unmittelbarkeit der neuen Medien manipulierbarer als noch vor 20 Jahren. Im Internet explodierende Informationen werden nicht konsequent überprüft. Es grassiert eine folgenschwere Copy-Paste-Inflation.

Angesichts dieser Entwicklungen steigt die Bedeutung glaubwürdiger Qualitätsmedien. Ihnen kommt eine Kontrollpflicht zu. Sie müssen mit ihren sorgfältig recherchierten Analysen wie Leuchttürme strahlen und sich als Korrektiv zu den kurzlebigen Newsplattformen, Blogs und sozialen Medien etablieren.
Unser Unternehmen steht in dieser Tradition. SWI fühlt sich als Online-Angebot der SRG der Relevanz, der Vielfalt, der Fairness, der Sachgerechtigkeit und der Ausgewogenheit verpflichtet. Statt auf die kurzfristige Aufmerksamkeit setzen wir auf eine nachhaltige Vertiefung. Bei der Themenwahl lassen wir ‘Stars und Sternchen’ links liegen und konzentrieren uns beispielsweise auf die Institution der direkten Demokratie, schreiben über den Wirtschaftsstandort Schweiz, die Migrationsdebatte oder über die Energie- und Umweltproblematik. Soziale Fragestellungen haben Vorrang vor Sport- und People-Journalismus. Schliesslich dürfen kulturelle Themen auf swissinfo.ch nicht zu kurz kommen.
Mit konkreten Massnahmen setzte SWI auch 2016 auf Qualitätsjournalismus: Recherchiert und produziert wird in sprachübergreifenden Teams. Fachredaktionen befinden sich im Aufbau. Im Produktionsprozess gilt das Vieraugen-Prinzip. Faktische Fehler werden redaktionsintern diskutiert und konsequent korrigiert. Journalistinnen und Journalisten erhalten Gelegenheit zur beruflichen Weiterbildung. Das Multimedia-Angebot wird vom Publikumsrat und von externen Expertinnen und Experten regelmässig überprüft. Eine Ombudsstelle wacht über das Einhalten der Qualitätsvorgaben.

Schliesslich hat SWI in den letzten drei Jahren auch am Projekt ‘Pheme’ mitgewirkt. Das von der Europäischen Union (EU) finanzierte Vorhaben – nach der griechischen Göttin des Ruhmes und der Gerüchte benannt – entwickelte ein Tool, mit dem die journalistische Wahrheitsüberprüfung erleichtert und beschleunigt werden kann. Dies geschieht dadurch, dass fragwürdige Behauptungen, die Twitter verbreitet, lokalisiert, verfolgt und auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden. Als Ergebnis dieser Erfahrung sind 2016 auf swissinfo.ch mehrere Fakten-Check-Artikel erschienen.

Die journalistischen Herausforderungen werden auch im neuen Jahr nicht geringer. Aus der neuen Unternehmensstrategie ergeben sich für SWI drei Stossrichtungen: Es gilt, die Reichweite weiter auszudehnen, die publizistischen Inhalte für mobile Geräte (Smartphones) zu optimieren (Mobile First) und die Produktionsprozesse zu vereinfachen. Treu bleiben werden wir dem medialen Verständnis bezüglich Qualität, Fairness, Vielfalt, Sachgerechtigkeit und Ausgewogenheit. Diese Prinzipien gilt es auch 2017 hochzuhalten und zu verteidigen.

Peter Schibli
Direktor SWI swissinfo.ch